Mythen, Kräuterwissen und Volksbrauchtum im Alpenraum

Drud, Alp, Alb,

wenn die drud druckt

der name der drud oder trud, ein hexenartiges nachtwesen, das schlafende menschen bedrängt. die drud wird weiblich aufgefaßt, der alp (nachtalb) jedoch eher männlich. wenn die drud drückt, der leidet unter den nächtlichen beklemmungserscheinungen des alp- oder albdrückens und hat alpträume mit erstickungsgefühlen.

der volksglaube stellte ihn sich als tier oder als feuchten nebel vor. in manchen gegenden hieß der dämon auch schratt (schrattgatter oder schradlgatter). schradllaub nannte man auch die geweihten palmbuschen. in bayern und österreich kennt man ihn unter drud. vor dem nächtlichen besuch der drud soll vor allem der drudenfuss der drudenhaxn schützen. dieser fünfeckige stern wurde in die wiege geschnitzt oder mit geweihter kreide ans bett oder über die türschwelle gemalt, damit bett und wohnung vor der dämonin gefeit war. Fand man einen drudenstein, das war ein kieselstein mit einem loch, hatte man ein besonders wirksames amulett gegen die plagen der drud. gegen alpdrücken half auch der spruch:

“komm morgen , ich leih dir was!”
wobei man irgendeinen gegenstand nannte. dann kam die drud sicher erst am nächsten morgen aber bei tageslicht stellte sie keine gefahr mehr dar.(fred fabich:1991)

die heilige luzie

an luzier geht der tag irr, weil er, im alten kalender auf den 23. dezember fallend, die längste nacht erreicht. von lucia an weiß der tag nicht, ob er jetzt länger oder kürzer werden soll. wer auf luzia, der längsten nacht, nicht genug schlafen kdrudann, der wird es sein lebtag nicht können.

luzia, “die leuchtende”, gilt als künderin des wiederkehrenden
lichtes mitten in der winterlichen wendezeit, in der alles
unheimliche sein unwesen treibt, am tollsten in ihrer eigenen nacht,
in der die unterirdischen regieren und nach oben kommen (franziska hager)
so galt die luzianacht von je als eine der unheilvollsten nächte, als
hexen und drudennacht allerersten ranges, wie der hilferuf an die heilige besagt:

vor’n drudndrucka, vor hexnhaxn,
teufisbraten, zauberfaxn,
beschütz mi du, heilige luzie,
bis i morgn fruah aufsteh.

südweststeirische sage:
danach sind der gespenstische schabbock der als glühende strohgarbe durch die nacht fliegt und brande verursacht, wie auch die trud menschen, die sündhaft durch voreheliche beziehungen gezeugt wurden. solche kinder haben dann die last zu tragen als nachtgeist die menschen zu beunruhigen, ist es ein mädchen so tritt es als trud unsichtbar in erscheinung, sucht ihre opfer wahllos aus, mit vorliebe aber solche die in einer vollmondnacht geboren wurden, und quällt sie ganz fürchterlich.

sie hockt sich auf die brust der schlafenden, dass diese kaum atmen können und schweißgebadet, mitunter mit einem schrei erwachen. schabbock und trud leben bei tag wie andere menschen, sie üben einen beruf aus und sind sich oft gar nicht bewußt, dass sie sich nächtens verwandeln.

an abwehrmitteln wird erwähnt dass eine kundige mutter die türe eines einsamen hauses absicherte. sie malte drudenfüße auf die tür und lehnte ausserdem einen birken besen aufrecht daran. die vielen kreuzeln an den zweigen sollten die nachtgeister abhalten…

Kinderwiege mit Pentagramm

als äusseres und absolut wirksammes zeichen der abwehr wurde auf betten kästen wiegen, truhen und türen der drudenstern geschrieben. er mußte ohne abzusetzen in einem Zug angebracht werden. dieses drudenzeichen wurde von manchen landwirten noch bis in die dreißiger jahre auf stalltüren und schweinkoben gezeichnet. wobei das zeichen sauber gezogen sein musste, um seine wirkung als schutzmittel zu entfalten

 
 

wobei das zeichen sauber gezogen sein musste, um seine wirkung als schutzmittel zu entfalten.

Faust

johann wolfang von goethes faust,

mephistopheles:
gesteh ich s nur dass ich hinausspaziere,
verbietet mir ein kleines hindernis,
der drudenfuss auf eurer schwelle,

faust:
das pentagramma macht dir pein?
ei sage mir, du sohn der hölle,
wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
wie ward ein solcher geist betrogen?

mephistopheles:
beschaut es recht! es sit nicht gut gezogen,
der eine winkel, der nach aussen zu,
ist , wie du siehst, ein wenig offen,
 

es hinderte die trud den muttersauen nächtens die milch auszusaugen. denn wenn die trud oder drud nicht an menschen herankommen kann, nimmt sie auch mit schweinen vorlieb. hörte man eine sau röcheln, als wenn sie junge säugen würde und waren am morgen die zitzen naß, dann wußte man es war die trud dabei. wenn eine frau ihrem kinde keine milch geben konnte, dann hält die trud die milch zurück sagte man.

aber auch auf andere art und weise wußten sich unsere vorfahren vor der trud zu schützen. gleich nach der kerzenweihe wurde aus dem wachs ein drudenstern geformt, den man zur abwehr aller bösen geister an die stalltüre hängte. die leute glaubten allein der kalte hauch der trud der durch das schlüsselloch in den stall wehe, könne die rösser und kühe krank machen. ein zweites drudenkreuz legte man ins bett unter den strohsack, damit aber die trud auch nicht durchs fenster hereinkommen konnte, wurde dort eine in fünfeckiger from gebogene kerze angezündet und das wachs dieser kerze vom vorjahr zum lichtmeß tag in die träme an der decke der bauernstube verchmiert.

ein wirklich interessantes pentagramm befand sich am balkenkopf in einem bauernhaus an der pack, das 1970 wegen einsturzgefahr abgerissen wurde. das zeichen stammt vermutlich aus 1600. auf der steirischen seite der pack findet man sehr viele sogenannte bauern runen also schnitz zeichen auf stadeln und scheunen. besonders schöne runen oder bauernzinken findet man in kainach. alte einwohner berichten noch mit allem ernst dass sie in früheren jahren sehr ja unsäglich unter der trud gelitten hätten, die stets angeschlichen kam obwohl ein drudenfuß aufs bett gemalt worden war.

besonders erfolg hat, wer den drudenfuß mit einem messer, ohne abzusetzen, einritzen kann. wenn eine kuh beim melken unruhig war, dann gab man ihr ein stück papier auf dem ein drudenfuß gezeichnet war. in dänemark wurde am 5.5 gegen die alp der drudenfuß an die decke gemalt.

andere namen für die trud sind stendel, waalrüter, cauchemar, nachtmart, cinciut, le rudge-pula, marui, painajainen, marantule, pandafeche, shishimora, nachtmännle, schrecksele und mora. sie sind in ganz europa zu hause.
die trud besitzt die fähigkeit durchs schlüsselloch in die stube einzudringen weshalb es geraten ist, bei geburten oder krankheiten das schlüsseloch zu verstopfen. mit einem geweihten stock kann man von der tür bis zum bett auf dem boden kreuzchen machen.

drudenstern

im südlichen burgenland fliegt die trud nur in mondhellen nächten in der geisterstunde umher. sie wird als auffallend hässlich geschildert und soll wie eine große fledermaus mit zwei großen flügeln und kralligen pfoten aussehen. im stall setzt sie sich auf den rücken der tiere und verhext sie. die kühe geben keine milch mehr und könne auch nicht kalben. sieht die trud das zeichen (pentagramm) so verliert sie ihre zauberkraft und meidet das haus.

 

 

 

einmal war ein drud im kleiderkasten eingeschlossen, es klopfte im kasten fürchterlich und beim öffnen kam ein schatten heraus huschte über den boden und verschwand unterm bett, da ist es natürlich dunkel und man hat keine chance ihn zu sehen, da hilft nur noch fenster kippen und raum ausräuchern mit heiligen kräutern, oder ein kruzifix im raum aufhängen

eine bauersfrau war eben mit der zubereitung von brotteig beschäftigt, als sie plötzlich einen ruck im körper verspürte und ihre beiden hände wie gelähmt in der teigmasse stecken blieben. etwa eine viertelstunde hindurch konnte sie kein glied rühren. dann kehrte die beweglichkeit wieder. auf die frage ihres erschreckten mannes, was ihr denn gewesen sei, antwortete sie bloß, die trud! mehr durfte sie nicht sagen, sonst hätte dieser bösewicht ihrem leben ein ende gemacht.

der trudenfuss schützt vor hexenwerk ist ein stier behext, was man bald merkt, indem er entweder wüthet oder tobt oder gleisam gelähmt ist und nichts fresen will, so schreibe man von aussen und innen an die stallthüre ein sogenanntes alpkreuz oder druidenfuss, mache auf dem her feuer an, werfe gras oder blumenn vom friedhof hinein und schlage, während dieses gethan wird, die kuh mit einem stock, woan dörner sich befinden. am andern tag wird die zauberei aufhören und die hexe in ihrem ganzen gesicht kennbar genug gezeichnet sein. aus pfyffer zu neueck. unglaube und aberglaube eine volksgeschichte luzern 1848, s.64.

die “wildgjoa”, ein überrest aus der germanisch heidnischen vorstellung des ziehenden totenheeres, der wilden jagdt. namentlich in den rauhnächten kann der vom schicksal auserwählte das wildgjoa lärmend und tosend mit tiergebrüll durch die lüfte rasen hören. koboldartige dämonen haben es besonders arg auf mensch und tier abgesehen. in der steiermark fliegt der “glühende schab” oder “schabbock” funkensprühend durch die luft, setzt sich auf die hausfriste, dringt selbst in die unbewachtgen schlafkammern, drückt und quält die kinder, würgt, stößt und tötet sie oder tauscht sie gegen wechselbälge aus. er läßt sich auch mit vorliebe auf türklinken, auf beiderseitig angebrannten holzscheiten oder auf msithaufen nieder. befindet sich ein kind in der gewalt eines schabbockes, so kann man es nach dem glauben der kärntern und weststeirer befreien, wenn man sich auf eine einjährige hanfpflanze stellt, die einem zufällig verstreuten hanfkörnlein entkeimt ist. solange ein kind nicht sprechen kann, besteht große gefahr, dass der schab ihm dauneerden schaden antut. macht die mutter aber vor dem schlafengehnen das kreuzzeichen über das kind, dann ist die möglichkeit, dass es der schqb ersticken läßt, gebannt. verwünscht oder schlägt eine mutter ihr kleines wegen schreiens, dann schwindelt der schab einen wechselbalg, zumeist sein eigenes kind, in die wiege und nimmt das menschenkind mit.
ein ähnlicher quälgeist ist der schratl, der in zwergengestalt mit rotem röcklein und grünen hosen oder auch in spanischer tracht in verschiedenen funktionen auftritt. als waldschratl hat er keine besondere bedeutung mehr. der almschratl oder almranzel ein berggeist, der zu martini die alm verläßt, spielt den burschen beim nächtlichen fensterln oft recht übel mit.
  
in den mittelsteirischen geschichten spielt der ross schratl die weitaus gewichtigste rolle. er wohnt im stall und ist ein richtiger quälgeist für die tiere. rappen sind seine lieblingspferde, sie striegelt er, pflegt und nährt sie gut. schimmel dagegen haßt er, er verwirrt ihnen die mähnen, flicht sie zu zöpfen, die man in kärnten und in der steiermark auch schratlzöpfe nennt, bindet ihnen die schwänze zusammen, schaukelt sich daran und reitet die tiere müde.

als abwehrmittel gegen den ross schratl wird die anwendung von weih- und dreikönigswasser, das aufhängen von heiligenbildern und das schlagen von kreuzzeichen empfohlen. schratlspiegel, d. s. eigroße vergrößerungs und verzerrungsspiegel, sollen den schratl vor seinem eigenen bild erschrecken und in die flucht schlagen. der schratlspiegel wird zusammen mit dem schratlkamm aus eisen oder messingguß, dor dessen spitze sich der schratl fürchtet und es deshlab unterläßt, den rössern die mähnen zu verwirren, heute noch mit roten flanellstreifen und dachsbärten an den pferdekummeten angebracht. auch die stadtfurhwerker pflegen diese sitte wieter, ohne allerings den tieferen sinn desies seltsamen schmuckes zu verstehen. von den plagegeistern ist noch der alp zu erwähnen(das wort hat etymologischen zusammenhang mit albe, elfe, alberich),

den trudenstein kann man nur auf einem glücklichen ausgang finden, und ist das alsdann ein seltsam glücklicer fund. an und für sich ist er nichts weiter als ein gewöhnlicher kieselstein, allein es muss von natur aus in seiner mitten ein loch durch und durch gehen, und das ist selten. je kleiner und schwärzer er ist, je kostbarer ist er auch. diese trudensteine sind den truden aufs äußerste verhaßt, denn wo ein solcher stein hängt, da können sie nicht an die bettstatt, außer sie ließen zuvor das wasser durch das loch des steines, damit wäre aber gleichmäßig für sie auch der zauber gebrochen. da nun die truden den sechswöchnerinnen und den kindern gar so gerne zusetzen, so hängt die hebamme auf eine weil diesen trudestein an oder in der bettstatt auf. wie hoch das volk diese gewalt des trudensteins schäzt, mag man unter andem daraus ersehen,d ass die frühere hebamme in stoffen, so übrigens noch wohl am leben, einen solchen stein besizt, den ihr mann selig als lediger bursch in russland, von wo er eiiner der wenigen der vielen tausenden von bayern, die dort hingezogen, zurückgekommen, gefunden hat. durch all das elend, über hunger und trost hinaus hat er den stein zu bewahren gewußt und glüchlich mit heimgebracht. so tut der stein, in russlands schneegefilden gefunden vor mehr denn vier jahreszeiten, noch immer sien dienste am lechrain.

wenn man das kind vor hexen schützen will, muss man ihm auch ein beutelchen mit salz, kümmel und dill umhängen oder drei rote kreuze ins hemdchen nähen. drei krezlein aus rotem zeug hefet man im kanton uri auf wiege oder bettzeug, damit das toggeli, ein anderer name für die trud, nicht schaden kann. von einem mann aus attinghausen hörte josef müller ezählen: “als ich noch als ganz kleines kind in der wiege lag, habe mich, wie die eltern später erzählten, das toggeli furchtbar geplagt. ich habe, sagten sie, ein ganzes schapfli milch gegeben. da machten sie aus roten tuchlappen ein kreuz und hefteten es an meine wiege. das habe geholfen.”

es ist nämlich bekannt, dass ganz kleinen kindern, knaben sowohl wie mädchen, zuweilen die brustdrüsen anschwellen und auf druck mit den fingern eine dünne milch entleeren. so werden auch wunderdinge berichtet von milchenden zicklein im stall. auch hier hängt man ein rotes bändchen auf. so entstanden die redensarten: “firchtisch (fürchtest du) ds toggäli?” doer “het die eppä ds toggeli plaget?” die dasjenige weibsbild zu hören bekommt, die zufällig mit einem grellroten kleid auf die straße tritt. gegen trude, toggeli, schrat, alp und nachtmahr helfen auch neun besenruten und neun verrostete eisen, die man in iglau nben das kind in die wiege legt. auch eine art, mit der geschliffenen schneide nach oben gekehrt, tut es.

eine sage aus uri
zu unterschächen hatte ein vater ein ungeschicktes, tölpelhaftes kind. im zorn nannte er es eie tages einen toggel. seidem wurde er nachts furchtbar vom toggeli geplagt, bis ihm einer einmal einen guten rat gab, den er befolgte. als er weider das toggeli fühlte über das bett gegen sein herz heranschleichen, umwickelte er sich plötzlich fest und behaben mit dem leintuch und bleib so bis am morgen im bett. da fand er im leintuch eine ganz 115 Den Truden sind übrigens die beiden Zauberkräuter Mistel (= “Truden-Nest”) und Bärlapp (= “Trudenfuß”) zugeordnet

 Literatur

[1] AT-Verlag, Im Reich der Geister und tanzenden Hexen, Kurt Lussi 
[2] Mythen der Alpen, Hans Haid BV-Verlag

[3] Haus zum Dolder Sammlung Dr. Edmund Müller Beromünster

[4] Bild 1 = Gemälde von Henry Fuseli mit dem Titel “The Nightmare” (Der Albtraum)

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